Wie werde ich Hobby-Model? Teil 1: Grundlagen

Guide: Wie werde ich Hobby-Model?

Du hast Interesse daran, vor einer Kamera zu stehen oder hast dich schon mal gefragt, wie du Model werden kannst? Falls du gar keine Idee hast, wo du anfangen sollst, ist dieser Guide möglicherweise genau das Richtige für dich. Denn so kompliziert ist es tatsächlich nicht – und über die perfekten Modelmaße musst du dir auch keine Gedanken machen. Bevor es im zweiten Teil an’s Eingemachte geht, gehe ich in diesem Beitrag auf ein paar Grundlagen ein.

Für wen ist dieser Guide?

Der Guide ist perfekt für dich, wenn du daran interessiert bist, in deiner Freizeit zu modeln. Egal, wie jung oder alt, groß oder klein oder wie schlank oder proper du bist. Allerdings geht es hier wirklich nur um das Modeln als Hobby: Wenn du das Modeln professionell angehen und dich bei einer Agentur bewerben willst, ist der folgende Text nur bedingt hilfreich, da ich mit Agenturen keine Erfahrungen habe. Vielleicht ist es für Einsteiger dennoch eine kleine Hilfe, um Erfahrung zu sammeln, bevor du dich an eine Agentur wendest. Selten entstehen für Hobby-Modelle auch kleine (oder große) Nebenjobs, für die ein Gewerbe angemeldet werden muss.  

So war das bei mir

Schon vor Jahren hatte ich Interesse am Modeln, als sich eine Schulfreundin in einem Portal für Fotografen und Models anmeldete. Ich fand das irgendwie spannend, zumal die Schule eine künstlerische Ausbildung vermittelte und ich dadurch ein Interesse an der Fotografie entwickelte. Allerdings fühlte ich mich nicht wirklich wohl und zugegeben, meine Ausstrahlung war damals weit unter Null. Die Vorstellung, fotografiert zu werden, war für mich der Schrecken in Kamera-Form – zumindest was Schnappschüsse anging. Schnappschüsse mag ich immer noch nicht, das liegt aber eher daran, dass ich mittlerweile weiß, welche Perspektiven bei mir funktionieren.

Jahre später, kurz nach meiner Ausbildung, packte mich erneut das Interesse. Dank einer flüchtigen Bekannten, die aktiv im Steampunk-Bereich tätig war, überwand ich viele Selbstzweifel. Ich bat einen Freund, ein paar Bilder von mir zu machen und meldete mich in einem Portal an. Darüber fand ich, zwischen all den Angeboten für seltsame Schlangen-Shootings, auch einen Fotografen. Ich war völlig überrascht, dass mich jemand fotografieren wollte. Seit 2015 stehe ich nun regelmäßig vor der Kamera – und das nur in meiner Freizeit.

Guide: Wie werde ich Hobby-Model
Model rechts: Miri | Foto: Daniel Lauber

Wie werde ich Hobby-Model?

Teil 1: Grundlagen

1. Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
2. Muss ich Geld investieren?
3. Was bedeutet TFP?
4. Was ist ein TFP-Vertrag?

1. Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Wenn du große Lust hast, dich vor einer Kamera auszuprobieren, bereit bist, dich in einem Moment fallenzulassen und dich ein bisschen was zu trauen, hast du schon mal tolle Voraussetzungen.

Die perfekten Modelmaße
Du brauchst nicht zwingend Modelmaße oder die optimalen Gesichtszüge. Jeder Fotograf* hat seine eigenen Vorstellungen von einem Model: Selbstverständlich gibt es Fotografen, die gewisse Kriterien (entsprechendes Posing, perfekte Haut, spezieller Typ) voraussetzen, andererseits gibt es aber auch diejenigen, die im People-Bereich arbeiten und ganz normale Menschen fotografieren. Je nach Stil des Fotografen kannst du in verschiedene Situationen schlüpfen. Dein Körper muss keinem Schönheitsideal entsprechen: Ob du sportlich, schlank, normal gebaut oder eher zur Plus Size tendierst, ist völlig wumpe.

Beschaffenheit der Haut
Reine Haut ist natürlich von Vorteil, da es weniger Arbeit bedeutet, allerdings ist das nicht immer ein Muss. Kleinere Unreinheiten werden oft schon durch Lichtsetzung  unsichtbar und müssen gar nicht bearbeitet werden. Falls du unter Akne leidest und du es in Bildern und Selfies retuschieren lässt, solltest du den Fotografen evtl. vor dem Shooting darauf hinweisen. Meistens ist das kein Problem, aber es ist immer schön, wenn er sich darauf einstellen kann.

Ausstrahlung und Ausdruck
Der Schlüssel zu allem ist die Ausstrahlung und eine gewisse Wandelbarkeit in Form des Ausdrucks. Es gibt tolle Talente, die unterschiedliche Ausdrücke von Anfang an draufhaben, anderen gelingt es mit Übung. Ich schätze, ich hatte am Anfang ungefähr zwei Ausdrücke: Nett gucken und noch irgendwas. Aber das kommt mit der Zeit.

Körpergefühl
Ich übte anfangs viel vor dem Spiegel, probierte Posen aus und versuchte, das Gelernte aus Shootings in mich aufzusaugen. Ein wichtiger Anfang ist vor allem die Körperhaltung, mit der nicht wenige Schwierigkeiten haben. Insbesondere große Menschen oder Frauen mit einer großen Oberweite neigen dazu, ihre Schultern „einsacken“ zu lassen, um die eigenen Vorzüge nicht zu sehr zu betonen – und das ist auf Dauer definitiv nicht gesund.

Muss ich volljährig sein?
Es ist von Vorteil, bereits volljährig zu sein, ansonsten brauchst du eigentlich eine Einverständniserklärung deiner Erziehungsberechtigten, damit die Bilder vom Fotografen veröffentlicht werden dürfen. Sei offen zu deinen Eltern, damit der Fotograf die Bilder nachher nicht löschen muss und du trotz Shooting ohne Bilder ausgehst.

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Foto: Lea Böhland

2. Muss ich Geld investieren?

Natürlich kostet das Modeln in gewisser Weise Geld, wie jedes andere Hobby auch. Manchmal brauchst du ein neues Outfit, buchst eine Bahnfahrt oder beteiligst dich an einem Makeup-Artist. Das sind allerdings Kosten, die sich je nach Priorität, sehr gering halten lassen und dich eigentlich nicht davon abhalten sollten, mit dem Modeln zu beginnen. TFP-Shootings (Näheres dazu im nächsten Punkt) kosten dich nichts. In seltenen Fällen können Beteiligung für eine Location oder einen erfahrenen Makeup-Artist anfallen (auch hier arbeiten einige auf TFP). Außerdem kann es von Vorteil sein, das allererste Shooting mit einem erfahrenen Fotografen zu machen und ihn dafür zu bezahlen. Dies sollte jemand sein, dessen Fotos dir sehr gut gefallen. Du gewinnst dadurch die Erfahrung, wie es ist, vor der Kamera zu stehen, bekommst Tipps zum Posing und hast dadurch garantiert ein paar schöne Bilder für den Einstieg. Wenn du studierst und ein Semesterticket hast, kann ich dir nur an’s Herz legen, diese Zeit sinnvoll zu nutzen. Ich reize das Semesterticket ordentlich aus und muss z.B. in Hamburg nur noch die U-Bahn bezahlen.

3. Was bedeutet TFP?

TFP steht für Time for Prints/Pictures. Du investierst deine Zeit für den Fotografen (und umgekehrt) und erhältst anstelle einer Gage die bearbeiteten Fotos. Jeder trägt hierbei seine Kosten selbst (Equipment, Outfits, Fahrtkosten, usw.).

Der klassische Sinn von TFP ist es, das Portfolio (ein Querschnitt des eigenen Könnens) beider Seiten aufzuwerten. Der Fotograf zeigt damit neben dem handwerklichen Können sein gestalterisches und ästhetisches Gespür, während das Model Ausdrucksstärke, Ausstrahlung und Posing widerspiegeln möchte. TFP-Shootings werden auch dafür genutzt, um sich weiterzuentwickeln oder um spezielle Projekte umzusetzen, die mit Kunden nicht immer möglich sind, da diese eine andere Erwartungshaltung haben.

Beispiel: Fotografin Sandra ist Portrait-Fotografin und fotografiert hin und wieder auch Kunden. Sie möchte allerdings ihre Aufnahmebereiche mit Teilakt erweitern, deswegen sucht sie nach Models, die in diesem Bereich tätig sind, um sich voll auf ihr eigenes Geschick konzentrieren zu können, weil das Model schon selbstständig posen kann. Ein weiteres Beispiel: Meine Freundin Lea Böhland deckt einige Aufnahmebereiche ab und fotografiert bereits professionell Hochzeiten, Paare und Portraits. Manchmal ist da aber eine besondere Idee in ihrem Kopf: Diese freien Arbeiten stellt sie auch auf ihre Website, um den Kunden zu zeigen, was theoretisch möglich ist und beweist damit vor allem ihre Kreativität.

Auch auf reiner Hobby-Basis wird ein Fotoshooting meistens als TFP-Shooting bezeichnet. An ein TFP-Shooting sind in der Regel folgende Bedingungen geknüpft: Jeder trägt seine Kosten selbst, die Bilder dienen der Eigenwerbung und dürfen ohne Absprache mit Fotograf/Model nicht verkauft oder bspw. in kommerziellen Publikationen genutzt werden.

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Foto: Lea Böhland

4. Was ist ein TFP-Vertrag?

Einige nutzen auch zusätzlich TFP-Verträge, um Aufnahmebereiche, Nutzungsrechte, das Urheberrecht oder sogar die Nachbearbeitung der Bilder zu regeln. Auch wann das Model spätestens seine Bilder erhält, kann dort festgelegt werden. Ich arbeite häufiger ohne Vertrag, da ich lieber auf gesunden Menschenverstand setze, aber wenn ein Fotograf seinen Vertrag mitbringt, unterschreibe ich ihn auch gerne. Da jeder in diesen Vertrag theoretisch schreiben kann was er möchte, ist es immer wichtig, ihn durchzulesen – es gibt nämlich keinen Standardvertrag, der überall gleich aussieht. Wie so ein Vertrag aussehen kann, kannst du dir hier ansehen. Mittlerweile gibt es sehr viele Vordrucke für TFP-Verträge im Internet, allerdings ist zu beachten, dass seit kurzem auch Angaben zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vorhanden sein müssen. 


Ausblick auf den nächsten Beitrag

Im nächsten Beitrag geht es an den Kern dieses Guides. Ich gebe einen Einblick in die Aufnahmebereiche und erkläre, wie du endlich mit dem Modeln anfangen kannst.

5. Aufnahmebereiche
6. Eine Frage des Stils: Erwartungen an die Bildbearbeitung folgt in Teil 3
7. Filter, Filter, Filter! folgt in Teil 3
8. Ich schmeiß‘ alles hin und werde Model

Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir geholfen, einen Einstieg in das Thema zu bekommen und bin natürlich gespannt auf deinen Kommentar. Und wenn du Fragen hast – gerne raus damit!

Hier geht es zu Teil 2:
Ich schmeiß‘ alles hin und werde Model!

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Hinweise dazu findest Du in der Datenschutzerklärung.
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Foto: Philine Adrian

* Hinweis: Das Wort „Fotografen“ ist bei mir stets geschlechtsneutral gemeint. Normalerweise versuche ich so gut wie möglich, darauf zu achten, allerdings hindert das Gendern in längeren Texten meinen persönlichen, kreativen Schreibfluss.

Beitragstitelbild: Lea Böhland

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