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private Selbstportraits

Ich habe schon länger einen Hang zu Selbstportraits, ohne diese wirklich je umzusetzen. Kürzlich habe ich es dann doch endlich mal gemacht, schnappte mir Kamera und Stativ und verkrümelte mich ins Schlafzimmer, um ganz für mich zu sein und konnte dabei etwas über mich selbst herausfinden.

Selbstportraits: Motivation zum Für-sich-sein

Schon seit einiger Zeit hatte ich Lust darauf, Selbstportraits zu machen. Klar, ich hätte auch einfach Selfies mit dem Smartphone machen können – wäre da nicht die Tatsache, dass ich Selfies von mir sehr selten mag. Zudem sind die Möglichkeiten beim klassischen Handyselfie in meinen Augen so stark begrenzt. Ich hatte einige Vorstellungen davon, was genau ich eigentlich umsetzen möchte und sammelte diese auch in einem Moodboard, das sich von kleineren Experimenten bis hin zu freien, künstlerischen Themen erstreckte . Im Kern ist es also etwas ganz anderes als das, was ich dir hier zeigen werde.

Eine Freundin lieh mir ihre Kamera, die sich wunderbar mit dem Smartphone verbinden ließ. Ich verzog mich mit Stativ, Kamera und Mobiltelefon ins Schlafzimmer und platzierte alles am Fenster. An mein Moodboard dachte ich gar nicht mehr, ich wollte etwas Natürliches ausprobieren und zog mein liebstes Wäscheteil aus dem Schrank. Mithilfe der WLAN-Verbindung konnte ich am Handy direkt betrachten, was die Kamera sieht und den Fokus wesentlich einfacher setzen und Einstellungen vornehmen. Ohne Remote-Funktion (und kaum Erfahrung) sind Selbstportraits wirklich eine Leistung, wenn der Fokus zu 100 % sitzt. Doch auch mit diesem Tool musste ich viel herumprobieren und mit Unsicherheiten kämpfen, bis ich endlich einen bestimmten Punkt erreicht hatte.

Auf die Technik kommt es an, oder?

Denn bald war es egal, mir Gedanken darüber zu machen, wie weit ich die Blende nun doch noch schließen sollte. Meine Kurzsichtigkeit erlaubte mir ohnehin keinen stetigen Blick auf den Smartphone-Bildschirm und so setzte ich durchgehend halbwegs den Fokus und ließ die Kamera auslösen. Ich ließ mich in dieser Routine fallen, bis mir der Gedanke kam, dass wenigstens ein gutes Bild dabei sein dürfte. Natürlich waren auch nicht alle Bilder perfekt scharf oder der Fokus richtig gesetzt. Doch zumindest berührten sie mich, sodass ich direkt Lust auf die Bearbeitung hatte.

„Inhalt und Emotionen schlägt technische Perfektion.
Ist so, war so und wird immer so sein.“ – Andreas Jorns

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich Glück gehabt habe. Selbstportraits sind nicht einfach, aber auch kein Hexenwerk. Es braucht Übung und wenn du Lust hast, es auszuprobieren, mach‘ es einfach. Und denke nicht so viel nach wie ich. „Die Schärfe ist gar nicht so wichtig, wenn die Atmosphäre stimmt“, schrieb mir Britta, als ich das erste Bild aus der Serie in meiner Instagram-Story zeigte.

Für-mich-sein

Ich habe das Rad nicht neu erfunden und auch keine Meisterleistung vollführt. Aber ich habe dabei über mich herausgefunden, dass Selbstportraits noch eine viel intimere Auseinandersetzung mit mir selbst sind. Das beginnt beim Fotografieren, weil ich dort einfach ausprobieren kann, was ich möchte. Ohne, mich verurteilt zu fühlen. Mit der Bearbeitung endet diese kleine Reise ins Ich: Wie bearbeite ich mich selbst? Habe ich den Drang, mich zu modifizieren und warum? Was gibt es mir, wenn ich etwas an mir verändere, das für mich unästhetisch oder sogar unnatürlich erscheint?

Ich denke, das sind berechtigte Fragen, die sich jeder mal stellen sollte.

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